Die 40 Großsheikhs des Naqshbandiyya-Sufi Ordens
33. Sheikh der goldenen Kette:

Sheikh Khas Muhammed ash-Shirwani

Möge Allah seine Seele heiligen  18.06.2019
  • Sheikh Muhammed ash-Shirwani war der höchste Wissende seiner Zeit, geschmückt mit der Kunst der Wissenschaft, gekleidet mit dem Kleid der Frömmigkeit und der Geduld, erleuchtet durch die Essenz der Gewissheit und unterstützt durch die Stärke des Glaubens.

    Seine Klarheit trennte Lüge von der Wahrheit und er wurde zu einem Meister dieses Weges. Unter den Wissenden galt er als der Führende und den Suchenden war er ihr Leuchtfeuer. Seine Diskurse waren einzigartig und zeugten von unglaublicher Eloquenz. Zog er durch eine Stadt in Daghestan, so standen die Menschen Schlange um einen Blick von ihm erhaschen zu dürfen. Seine deutliche und anschauliche Rede wurde von allen Menschen verstanden. Es gab niemanden, der nicht von der Brillanz seiner Worte überwältigt war. Schriftsteller wohnten ihm bei, um seinem sprachlichen Genie lauschen zu dürfen, Rechtsgelehrte aufgrund seines juristischen Rats, Philosophen wegen seiner Logik, Redner wegen der Klarheit seiner Worte und die Sufis wurden von seiner Manifestation der Wahrheit angezogen.

    In Kulal, einem Ortsteil südlich von Daghestan, kam er am 1en des Muharrem einem Montag im Jahre 1201 n.H. /1786 n.Chr. auf die Welt. Er war groß und schön. Sein Gesicht zierten die dunklen Augen und die Mähne seines weiß-schwarzen Bartes. Er verfügte über eine hohe und klare Stimme. Er war einer der frommen Rechtsgelehrten, die der Shafii Schule angehörten. Er hatte Imam Shafis Kitab al-Umm (Die Mutter der Bücher) auswendiggelernt, und so war er schon im Alter von zwanzig Jahren im Stande juristische Entscheidungen zu treffen. Jeder in seiner Stadt respektierte und ehrte ihn. Die ersten Lehren des Sufismus sollte er durch seine Familie erhalten.

    Von seinen Aussprüchen

    Unser Weg wird angeführt von dem Quran und der Sunnah.

    Ich begegnete den vier Typen des Naqshbandi Ordens und deren jeweiligen dreißig vollkommenen Beispiele, am Ende jedoch entschied ich mich für Sheikh Ismail ash-Shirwani.

    Gott bescherte diese Erde mit keiner Sache, außer dass sie sogleich eine Lektion für die Menschen ist, von der sie lernen können.

    Sie fragten ihn: „Wer ist der Wissende?“ Er antwortete: „Der Wissende ist derjenige, der dein Geheimnis kennt ohne auch nur mit dir gesprochen zu haben.“

  • Uns wurde der Sufismus nicht zuteil durch leere Reden, neunmalkluge Worte oder, dass wir sagten: „Unser Sheikh sagt dies, unser Sheikh sagt das.“ Sondern durch Hunger, durch Abwendung von dieser Welt und durch die Auflösung unserer Abhängigkeit von Geschöpfen.

    Man fragte ihn: „Was ist der Unterschied zwischen dem Suchenden und dem Gesuchten?“ Er erklärte: Der Suchende ist derjenige, der sich durch seine Aktivität und sein Lernen Wissen aneignet. Dagegen empfängt der Gesuchte sein Wissen durch Inspiration. Die Suchenden bewegen sich im Schneckentempo im Vergleich zu den Gesuchten, die sich fliegend voran bewegen. Und wir alle kennen den immensen Unterschied zwischen demjenigen, der so schnell wie eine Schnecke ist und demjenigen, der fliegt.

    Aufrichtigkeit zwischen Gott und Seinen Dienern kann von niemanden wahrgenommen werden. Weder können die Engel sie in ihr Buch der guten Taten niederschreiben, noch können die Teufel sie auch nur ansatzweise wegnehmen.

    Selbst der Vertrauenswürdige ändert am Tage seine Meinung mindestens vierzig Mal, obwohl er doch eigentlich vertrauenswürdig ist. Der Bezeugende jedoch ist vierzig Jahre standhaft in seiner Sichtweise. Jener, der sich im Zustand des Bezeugens der göttlichen Gegenwart befindet, schaut nämlich die Wirklichkeiten. Ihm wird folgendes zuteil werden: das Wissen der Gewissheit, die Sicht der Gewissheit und die Wirklichkeit der Gewissheit. Das Wissen, das ihn ereilt, entspringt direkt aus der göttlichen Gegenwart, und verändert sich niemals. Aus diesem Grund sind jene Bezeugende stets entschlossen in ihrer Entscheidungsfindung, denn ihre Entscheidung ist begründet durch die Wirklichkeit und nicht durch ihre eigene Meinung.

    Eine Person kann nicht als ein weiser Diener bezeichnet werden, solange nicht auch etwas Schlechtes in ihm erscheint, das dem Herrn missfällt.

    Der Naqshbandi Sufi Orden gründet auf vier Säulen des Verhaltens: sprich nicht, außer du wirst gefragt; iss nicht, solange du nicht schon aufgrund deines Hungerns schwindest; schlafe nicht bis dich nicht überwältigende Müdigkeit überkommt; sei niemals still in Seiner Gegenwart, bete ununterbrochen zu Ihm und verlange von Ihm.

    Die Reinheit des Herzen hängt von der Reinheit des dhikrs ab und die Reinheit des dhikrs von deiner Abkehr von jeglichem verborgenen Polytheismus.

    Die Rede der Propheten entstammt der göttlichen Gegenwart. Die Rede der Sufis entspringt dem Bezeugen.

  • Der Weg des Sufis zu Gott ist sein innerer Lebenskampf.

    Die Stufe der einzigartigen und wahren Einheit wird dann erreicht, wenn der Diener vom Ende zum Anfang zurückkehrt und zu dem wird, was er vor seiner Existenz gewesen war.

    Das Wissen der Einheit ist den Gelehrten der äußeren Form schon seit langem nicht mehr zugänglich. Sie können lediglich von der Schale sprechen.

    Warum erfüllt sich das Herz mit Freude und innerem Frieden, wenn es einen lieblichen Klang wahrnimmt? Schöne Klänge sind nämlich eine Reflektion der Rede Gottes zu den Seelen, als sie noch Atome in seiner Gegenwart waren und Er sie fragte: „Bin Ich denn nicht euer Herr?“ Die Süße Seiner Rede übertrug sich in unsere Welt. Folglich erfahren wir Freude und Glück wann immer wir dem dhikr und der Musik lauschen, denn dies sind Reflektionen der Lieblichkeit Seiner Worte.

    Seine Wunder

    Zwanzig Jahre aß Sheikh Khas Muhammed ash-Shirwani nur einmal in der Woche. Seine tägliche Übung beinhaltete 350 Gebetseinheiten. Sheikh Ahmad al-Kawkasi erzählt:
    Einst reiste ich wegen Geschäftlichem von einer Stadt durch den Wald zu einer anderen. Auf meinem Weg fiel starker Schnee und ein frostiger Wind wehte. Dann stoppte der Schneefall und es begann zu regnen, sodass alle Pfade Flüssen glichen. Jedoch hatte ich keine andere Wahl, ich musste durch diesen Wald gehen. Gerade brach auch schon die Nacht ein und ehe ich mich versah, hatte ich mich verirrt.
    Es strömten Regengüsse von Himmel, es wurde immer finsterer und meine Lage verschlimmerte sich mehr und mehr. Wohin sollte ich gehen? Ich rannte willkürlich durch den Wald und erreichte schließlich ein Flussufer. Der Fluss war schon aufgrund des heftigen Regenfalls zu einem Ozean geworden, in dem die Wellen wüteten. Die Brücke war zusammengestürzt, dennoch wusste ich, dass ich hinüber musste, auf welchem Weg auch immer. Der Fluss stieg weiter an, bis er schließlich meine Beine erreichte während ich auf meinem Pferd saß. Ich fürchtete, wir würden ertrinken. Dann erhob ich meine Hände zum Herrn: „O Gott, stehe mir in dieser aussichtslosen Situation bei.“
    Sofort vernahm ich eine Stimme hinter mir: „O Ahmed, warum rufst du mich und holst mich aus meinem Haus?“ Ich drehte mich um und sah Sheikh has Muhammed in einer erhabenen Erscheinung vor mir stehen. Er sagte: „Hier, nimm meine Hand und überquere den Fluss mit mir.“ Noch immer hatte ich Angst aber er beruhigte mich: „Wenn du mit uns bist, brauchst du dich nicht zu fürchten.“

  • Dann machten wir uns auf, den Fluss zu überqueren. Zusammen traten wir auf den Fluss und liefen über das Wasser. Endlich hatten wir die andere Seite erlangt. Daraufhin sagte er: „Jetzt bist du sicher,“ und verschwand wieder. Als ich an meinem Ziel angelangt war und zur Moschee ging, sah ich ihn in ihr sitzen. Verwundert fragte ich: „Wie sind Sie hierher gekommen?“ Er erwiderte: „O Ahmed, für uns gibt es keine Einschränkungen; wir können zu jeder Zeit überall sein.“

    In dem Buch Muslimischer Widerstand gegen den Zar: Shamil und die Eroberung Tschetscheniens und Daghestans schreibt Gammer über Sheikh Khas Muhammed:
    Der Samen von Sheikh Ismail fand in dem Land von Daghestan fruchtbaren Boden und fing an mit einem seiner Schüler, Sheikh Muhammed ash-Shirwani, aufzublühen. Dann kamen auch sein Nachfolger, Sheikh Muhammed al-Yaraghi, und dessen Erbe hervor, Jamaluddin al-Ghazi Ghumuqi.

    Benningsen und Wimbush beschreiben den Einfluss von Sheikh Ismail ash-Shirwani und seiner Kalifen in Daghestan wie folgt:
    Der Naqshbandi Orden spielte eine entscheidende Rolle in der kaukasischen Geschichte. Stählerne Disziplin, völlige Hingabe und die strenge Hierarchie, auf der sie gründete, erklären den unglaublichen Widerstand der Bergbewohner gegen die Russen – ein Widerstand der von 1824 bis 1855 anhielt und in dem nicht nur die führenden Persönlichkeiten der Bewegung, sondern auch Ortsvorsteher (naibs) und der Großteil der Widerstandskämpfer Naqshbandis waren. Es kann festgehalten werden, dass der fünfzig-jährige kaukasische Krieg einen großen Beitrag zum materiellen und moralischen Verfall des zaristischen Reiches beitrug und das Ende der russischen Monarchie beschleunigte.

    Die Brüderschaft erreichte ein weiteres bedeutsames Ziel: sie verwandelte die heidnischen Bergbewohner zu gläubigen orthodoxen Muslimen und brachte den Islam in die animistischen Gebiete des oberen Tschetscheniens und unter den kirgisischen Stämme des westlichen Kaukasus ...

    Die folgende Massenwanderung der kaukasischen Muslime in die Türkei beendete jedoch nicht den Naqshbandiyya-Orden in Daghestan und Tschetschenien; seine Wurzeln reichten dafür schon zu weit und zu tief in die Erde.

    Sheikh Khas Muhammed starb am 3en des Ramadan, einem Sonntag im Jahre 1260 n.H. /1844 n.Chr. während der Rückreise von seiner Pilgerfahrt nach Daghestan. Er wurde in Damaskus begraben. Gemäß des letzten Willens seines Sheikhs, Ismail ash-Shirwani, sollte nun Sheikh Muhammed Effendi al-Yaraghi das Erbe antreten.

  • Sheikh Muhammed ash-Shirwani war der höchste Wissende seiner Zeit, geschmückt mit der Kunst der Wissenschaft, gekleidet mit dem Kleid der Frömmigkeit und der Geduld, erleuchtet durch die Essenz der Gewissheit und unterstützt durch die Stärke des Glaubens.

    Seine Klarheit trennte Lüge von der Wahrheit und er wurde zu einem Meister dieses Weges. Unter den Wissenden galt er als der Führende und den Suchenden war er ihr Leuchtfeuer. Seine Diskurse waren einzigartig und zeugten von unglaublicher Eloquenz. Zog er durch eine Stadt in Daghestan, so standen die Menschen Schlange um einen Blick von ihm erhaschen zu dürfen. Seine deutliche und anschauliche Rede wurde von allen Menschen verstanden. Es gab niemanden, der nicht von der Brillanz seiner Worte überwältigt war. Schriftsteller wohnten ihm bei, um seinem sprachlichen Genie lauschen zu dürfen, Rechtsgelehrte aufgrund seines juristischen Rats, Philosophen wegen seiner Logik, Redner wegen der Klarheit seiner Worte und die Sufis wurden von seiner Manifestation der Wahrheit angezogen.

    In Kulal, einem Ortsteil südlich von Daghestan, kam er am 1en des Muharrem einem Montag im Jahre 1201 n.H. /1786 n.Chr. auf die Welt. Er war groß und schön. Sein Gesicht zierten die dunklen Augen und die Mähne seines weiß-schwarzen Bartes. Er verfügte über eine hohe und klare Stimme. Er war einer der frommen Rechtsgelehrten, die der Shafii Schule angehörten. Er hatte Imam Shafis Kitab al-Umm (Die Mutter der Bücher) auswendiggelernt, und so war er schon im Alter von zwanzig Jahren im Stande juristische Entscheidungen zu treffen. Jeder in seiner Stadt respektierte und ehrte ihn. Die ersten Lehren des Sufismus sollte er durch seine Familie erhalten.

    Von seinen Aussprüchen

    Unser Weg wird angeführt von dem Quran und der Sunnah.

    Ich begegnete den vier Typen des Naqshbandi Ordens und deren jeweiligen dreißig vollkommenen Beispiele, am Ende jedoch entschied ich mich für Sheikh Ismail ash-Shirwani.

    Gott bescherte diese Erde mit keiner Sache, außer dass sie sogleich eine Lektion für die Menschen ist, von der sie lernen können.

    Sie fragten ihn: „Wer ist der Wissende?“ Er antwortete: „Der Wissende ist derjenige, der dein Geheimnis kennt ohne auch nur mit dir gesprochen zu haben.“

  • Uns wurde der Sufismus nicht zuteil durch leere Reden, neunmalkluge Worte oder, dass wir sagten: „Unser Sheikh sagt dies, unser Sheikh sagt das.“ Sondern durch Hunger, durch Abwendung von dieser Welt und durch die Auflösung unserer Abhängigkeit von Geschöpfen.

    Man fragte ihn: „Was ist der Unterschied zwischen dem Suchenden und dem Gesuchten?“ Er erklärte: Der Suchende ist derjenige, der sich durch seine Aktivität und sein Lernen Wissen aneignet. Dagegen empfängt der Gesuchte sein Wissen durch Inspiration. Die Suchenden bewegen sich im Schneckentempo im Vergleich zu den Gesuchten, die sich fliegend voran bewegen. Und wir alle kennen den immensen Unterschied zwischen demjenigen, der so schnell wie eine Schnecke ist und demjenigen, der fliegt.

    Aufrichtigkeit zwischen Gott und Seinen Dienern kann von niemanden wahrgenommen werden. Weder können die Engel sie in ihr Buch der guten Taten niederschreiben, noch können die Teufel sie auch nur ansatzweise wegnehmen.

    Selbst der Vertrauenswürdige ändert am Tage seine Meinung mindestens vierzig Mal, obwohl er doch eigentlich vertrauenswürdig ist. Der Bezeugende jedoch ist vierzig Jahre standhaft in seiner Sichtweise. Jener, der sich im Zustand des Bezeugens der göttlichen Gegenwart befindet, schaut nämlich die Wirklichkeiten. Ihm wird folgendes zuteil werden: das Wissen der Gewissheit, die Sicht der Gewissheit und die Wirklichkeit der Gewissheit. Das Wissen, das ihn ereilt, entspringt direkt aus der göttlichen Gegenwart, und verändert sich niemals. Aus diesem Grund sind jene Bezeugende stets entschlossen in ihrer Entscheidungsfindung, denn ihre Entscheidung ist begründet durch die Wirklichkeit und nicht durch ihre eigene Meinung.

    Eine Person kann nicht als ein weiser Diener bezeichnet werden, solange nicht auch etwas Schlechtes in ihm erscheint, das dem Herrn missfällt.

    Der Naqshbandi Sufi Orden gründet auf vier Säulen des Verhaltens: sprich nicht, außer du wirst gefragt; iss nicht, solange du nicht schon aufgrund deines Hungerns schwindest; schlafe nicht bis dich nicht überwältigende Müdigkeit überkommt; sei niemals still in Seiner Gegenwart, bete ununterbrochen zu Ihm und verlange von Ihm.

    Die Reinheit des Herzen hängt von der Reinheit des dhikrs ab und die Reinheit des dhikrs von deiner Abkehr von jeglichem verborgenen Polytheismus.

    Die Rede der Propheten entstammt der göttlichen Gegenwart. Die Rede der Sufis entspringt dem Bezeugen.

  • Der Weg des Sufis zu Gott ist sein innerer Lebenskampf.

    Die Stufe der einzigartigen und wahren Einheit wird dann erreicht, wenn der Diener vom Ende zum Anfang zurückkehrt und zu dem wird, was er vor seiner Existenz gewesen war.

    Das Wissen der Einheit ist den Gelehrten der äußeren Form schon seit langem nicht mehr zugänglich. Sie können lediglich von der Schale sprechen.

    Warum erfüllt sich das Herz mit Freude und innerem Frieden, wenn es einen lieblichen Klang wahrnimmt? Schöne Klänge sind nämlich eine Reflektion der Rede Gottes zu den Seelen, als sie noch Atome in seiner Gegenwart waren und Er sie fragte: „Bin Ich denn nicht euer Herr?“ Die Süße Seiner Rede übertrug sich in unsere Welt. Folglich erfahren wir Freude und Glück wann immer wir dem dhikr und der Musik lauschen, denn dies sind Reflektionen der Lieblichkeit Seiner Worte.

    Seine Wunder

    Zwanzig Jahre aß Sheikh Khas Muhammed ash-Shirwani nur einmal in der Woche. Seine tägliche Übung beinhaltete 350 Gebetseinheiten. Sheikh Ahmad al-Kawkasi erzählt:
    Einst reiste ich wegen Geschäftlichem von einer Stadt durch den Wald zu einer anderen. Auf meinem Weg fiel starker Schnee und ein frostiger Wind wehte. Dann stoppte der Schneefall und es begann zu regnen, sodass alle Pfade Flüssen glichen. Jedoch hatte ich keine andere Wahl, ich musste durch diesen Wald gehen. Gerade brach auch schon die Nacht ein und ehe ich mich versah, hatte ich mich verirrt.
    Es strömten Regengüsse von Himmel, es wurde immer finsterer und meine Lage verschlimmerte sich mehr und mehr. Wohin sollte ich gehen? Ich rannte willkürlich durch den Wald und erreichte schließlich ein Flussufer. Der Fluss war schon aufgrund des heftigen Regenfalls zu einem Ozean geworden, in dem die Wellen wüteten. Die Brücke war zusammengestürzt, dennoch wusste ich, dass ich hinüber musste, auf welchem Weg auch immer. Der Fluss stieg weiter an, bis er schließlich meine Beine erreichte während ich auf meinem Pferd saß. Ich fürchtete, wir würden ertrinken. Dann erhob ich meine Hände zum Herrn: „O Gott, stehe mir in dieser aussichtslosen Situation bei.“
    Sofort vernahm ich eine Stimme hinter mir: „O Ahmed, warum rufst du mich und holst mich aus meinem Haus?“ Ich drehte mich um und sah Sheikh has Muhammed in einer erhabenen Erscheinung vor mir stehen. Er sagte: „Hier, nimm meine Hand und überquere den Fluss mit mir.“ Noch immer hatte ich Angst aber er beruhigte mich: „Wenn du mit uns bist, brauchst du dich nicht zu fürchten.“

  • Dann machten wir uns auf, den Fluss zu überqueren. Zusammen traten wir auf den Fluss und liefen über das Wasser. Endlich hatten wir die andere Seite erlangt. Daraufhin sagte er: „Jetzt bist du sicher,“ und verschwand wieder. Als ich an meinem Ziel angelangt war und zur Moschee ging, sah ich ihn in ihr sitzen. Verwundert fragte ich: „Wie sind Sie hierher gekommen?“ Er erwiderte: „O Ahmed, für uns gibt es keine Einschränkungen; wir können zu jeder Zeit überall sein.“

    In dem Buch Muslimischer Widerstand gegen den Zar: Shamil und die Eroberung Tschetscheniens und Daghestans schreibt Gammer über Sheikh Khas Muhammed:
    Der Samen von Sheikh Ismail fand in dem Land von Daghestan fruchtbaren Boden und fing an mit einem seiner Schüler, Sheikh Muhammed ash-Shirwani, aufzublühen. Dann kamen auch sein Nachfolger, Sheikh Muhammed al-Yaraghi, und dessen Erbe hervor, Jamaluddin al-Ghazi Ghumuqi.

    Benningsen und Wimbush beschreiben den Einfluss von Sheikh Ismail ash-Shirwani und seiner Kalifen in Daghestan wie folgt:
    Der Naqshbandi Orden spielte eine entscheidende Rolle in der kaukasischen Geschichte. Stählerne Disziplin, völlige Hingabe und die strenge Hierarchie, auf der sie gründete, erklären den unglaublichen Widerstand der Bergbewohner gegen die Russen – ein Widerstand der von 1824 bis 1855 anhielt und in dem nicht nur die führenden Persönlichkeiten der Bewegung, sondern auch Ortsvorsteher (naibs) und der Großteil der Widerstandskämpfer Naqshbandis waren. Es kann festgehalten werden, dass der fünfzig-jährige kaukasische Krieg einen großen Beitrag zum materiellen und moralischen Verfall des zaristischen Reiches beitrug und das Ende der russischen Monarchie beschleunigte.

    Die Brüderschaft erreichte ein weiteres bedeutsames Ziel: sie verwandelte die heidnischen Bergbewohner zu gläubigen orthodoxen Muslimen und brachte den Islam in die animistischen Gebiete des oberen Tschetscheniens und unter den kirgisischen Stämme des westlichen Kaukasus ...

    Die folgende Massenwanderung der kaukasischen Muslime in die Türkei beendete jedoch nicht den Naqshbandiyya-Orden in Daghestan und Tschetschenien; seine Wurzeln reichten dafür schon zu weit und zu tief in die Erde.

    Sheikh Khas Muhammed starb am 3en des Ramadan, einem Sonntag im Jahre 1260 n.H. /1844 n.Chr. während der Rückreise von seiner Pilgerfahrt nach Daghestan. Er wurde in Damaskus begraben. Gemäß des letzten Willens seines Sheikhs, Ismail ash-Shirwani, sollte nun Sheikh Muhammed Effendi al-Yaraghi das Erbe antreten.

  • Sheikh Muhammed ash-Shirwani war der höchste Wissende seiner Zeit, geschmückt mit der Kunst der Wissenschaft, gekleidet mit dem Kleid der Frömmigkeit und der Geduld, erleuchtet durch die Essenz der Gewissheit und unterstützt durch die Stärke des Glaubens.

    Seine Klarheit trennte Lüge von der Wahrheit und er wurde zu einem Meister dieses Weges. Unter den Wissenden galt er als der Führende und den Suchenden war er ihr Leuchtfeuer. Seine Diskurse waren einzigartig und zeugten von unglaublicher Eloquenz. Zog er durch eine Stadt in Daghestan, so standen die Menschen Schlange um einen Blick von ihm erhaschen zu dürfen. Seine deutliche und anschauliche Rede wurde von allen Menschen verstanden. Es gab niemanden, der nicht von der Brillanz seiner Worte überwältigt war. Schriftsteller wohnten ihm bei, um seinem sprachlichen Genie lauschen zu dürfen, Rechtsgelehrte aufgrund seines juristischen Rats, Philosophen wegen seiner Logik, Redner wegen der Klarheit seiner Worte und die Sufis wurden von seiner Manifestation der Wahrheit angezogen.

    In Kulal, einem Ortsteil südlich von Daghestan, kam er am 1en des Muharrem einem Montag im Jahre 1201 n.H. /1786 n.Chr. auf die Welt. Er war groß und schön. Sein Gesicht zierten die dunklen Augen und die Mähne seines weiß-schwarzen Bartes. Er verfügte über eine hohe und klare Stimme. Er war einer der frommen Rechtsgelehrten, die der Shafii Schule angehörten. Er hatte Imam Shafis Kitab al-Umm (Die Mutter der Bücher) auswendiggelernt, und so war er schon im Alter von zwanzig Jahren im Stande juristische Entscheidungen zu treffen. Jeder in seiner Stadt respektierte und ehrte ihn. Die ersten Lehren des Sufismus sollte er durch seine Familie erhalten.

    Von seinen Aussprüchen

    Unser Weg wird angeführt von dem Quran und der Sunnah.

    Ich begegnete den vier Typen des Naqshbandi Ordens und deren jeweiligen dreißig vollkommenen Beispiele, am Ende jedoch entschied ich mich für Sheikh Ismail ash-Shirwani.

    Gott bescherte diese Erde mit keiner Sache, außer dass sie sogleich eine Lektion für die Menschen ist, von der sie lernen können.

    Sie fragten ihn: „Wer ist der Wissende?“ Er antwortete: „Der Wissende ist derjenige, der dein Geheimnis kennt ohne auch nur mit dir gesprochen zu haben.“

  • Uns wurde der Sufismus nicht zuteil durch leere Reden, neunmalkluge Worte oder, dass wir sagten: „Unser Sheikh sagt dies, unser Sheikh sagt das.“ Sondern durch Hunger, durch Abwendung von dieser Welt und durch die Auflösung unserer Abhängigkeit von Geschöpfen.

    Man fragte ihn: „Was ist der Unterschied zwischen dem Suchenden und dem Gesuchten?“ Er erklärte: Der Suchende ist derjenige, der sich durch seine Aktivität und sein Lernen Wissen aneignet. Dagegen empfängt der Gesuchte sein Wissen durch Inspiration. Die Suchenden bewegen sich im Schneckentempo im Vergleich zu den Gesuchten, die sich fliegend voran bewegen. Und wir alle kennen den immensen Unterschied zwischen demjenigen, der so schnell wie eine Schnecke ist und demjenigen, der fliegt.

    Aufrichtigkeit zwischen Gott und Seinen Dienern kann von niemanden wahrgenommen werden. Weder können die Engel sie in ihr Buch der guten Taten niederschreiben, noch können die Teufel sie auch nur ansatzweise wegnehmen.

    Selbst der Vertrauenswürdige ändert am Tage seine Meinung mindestens vierzig Mal, obwohl er doch eigentlich vertrauenswürdig ist. Der Bezeugende jedoch ist vierzig Jahre standhaft in seiner Sichtweise. Jener, der sich im Zustand des Bezeugens der göttlichen Gegenwart befindet, schaut nämlich die Wirklichkeiten. Ihm wird folgendes zuteil werden: das Wissen der Gewissheit, die Sicht der Gewissheit und die Wirklichkeit der Gewissheit. Das Wissen, das ihn ereilt, entspringt direkt aus der göttlichen Gegenwart, und verändert sich niemals. Aus diesem Grund sind jene Bezeugende stets entschlossen in ihrer Entscheidungsfindung, denn ihre Entscheidung ist begründet durch die Wirklichkeit und nicht durch ihre eigene Meinung.

    Eine Person kann nicht als ein weiser Diener bezeichnet werden, solange nicht auch etwas Schlechtes in ihm erscheint, das dem Herrn missfällt.

    Der Naqshbandi Sufi Orden gründet auf vier Säulen des Verhaltens: sprich nicht, außer du wirst gefragt; iss nicht, solange du nicht schon aufgrund deines Hungerns schwindest; schlafe nicht bis dich nicht überwältigende Müdigkeit überkommt; sei niemals still in Seiner Gegenwart, bete ununterbrochen zu Ihm und verlange von Ihm.

    Die Reinheit des Herzen hängt von der Reinheit des dhikrs ab und die Reinheit des dhikrs von deiner Abkehr von jeglichem verborgenen Polytheismus.

    Die Rede der Propheten entstammt der göttlichen Gegenwart. Die Rede der Sufis entspringt dem Bezeugen.

  • Der Weg des Sufis zu Gott ist sein innerer Lebenskampf.

    Die Stufe der einzigartigen und wahren Einheit wird dann erreicht, wenn der Diener vom Ende zum Anfang zurückkehrt und zu dem wird, was er vor seiner Existenz gewesen war.

    Das Wissen der Einheit ist den Gelehrten der äußeren Form schon seit langem nicht mehr zugänglich. Sie können lediglich von der Schale sprechen.

    Warum erfüllt sich das Herz mit Freude und innerem Frieden, wenn es einen lieblichen Klang wahrnimmt? Schöne Klänge sind nämlich eine Reflektion der Rede Gottes zu den Seelen, als sie noch Atome in seiner Gegenwart waren und Er sie fragte: „Bin Ich denn nicht euer Herr?“ Die Süße Seiner Rede übertrug sich in unsere Welt. Folglich erfahren wir Freude und Glück wann immer wir dem dhikr und der Musik lauschen, denn dies sind Reflektionen der Lieblichkeit Seiner Worte.

    Seine Wunder

    Zwanzig Jahre aß Sheikh Khas Muhammed ash-Shirwani nur einmal in der Woche. Seine tägliche Übung beinhaltete 350 Gebetseinheiten. Sheikh Ahmad al-Kawkasi erzählt:
    Einst reiste ich wegen Geschäftlichem von einer Stadt durch den Wald zu einer anderen. Auf meinem Weg fiel starker Schnee und ein frostiger Wind wehte. Dann stoppte der Schneefall und es begann zu regnen, sodass alle Pfade Flüssen glichen. Jedoch hatte ich keine andere Wahl, ich musste durch diesen Wald gehen. Gerade brach auch schon die Nacht ein und ehe ich mich versah, hatte ich mich verirrt.
    Es strömten Regengüsse von Himmel, es wurde immer finsterer und meine Lage verschlimmerte sich mehr und mehr. Wohin sollte ich gehen? Ich rannte willkürlich durch den Wald und erreichte schließlich ein Flussufer. Der Fluss war schon aufgrund des heftigen Regenfalls zu einem Ozean geworden, in dem die Wellen wüteten. Die Brücke war zusammengestürzt, dennoch wusste ich, dass ich hinüber musste, auf welchem Weg auch immer. Der Fluss stieg weiter an, bis er schließlich meine Beine erreichte während ich auf meinem Pferd saß. Ich fürchtete, wir würden ertrinken. Dann erhob ich meine Hände zum Herrn: „O Gott, stehe mir in dieser aussichtslosen Situation bei.“
    Sofort vernahm ich eine Stimme hinter mir: „O Ahmed, warum rufst du mich und holst mich aus meinem Haus?“ Ich drehte mich um und sah Sheikh has Muhammed in einer erhabenen Erscheinung vor mir stehen. Er sagte: „Hier, nimm meine Hand und überquere den Fluss mit mir.“ Noch immer hatte ich Angst aber er beruhigte mich: „Wenn du mit uns bist, brauchst du dich nicht zu fürchten.“

  • Dann machten wir uns auf, den Fluss zu überqueren. Zusammen traten wir auf den Fluss und liefen über das Wasser. Endlich hatten wir die andere Seite erlangt. Daraufhin sagte er: „Jetzt bist du sicher,“ und verschwand wieder. Als ich an meinem Ziel angelangt war und zur Moschee ging, sah ich ihn in ihr sitzen. Verwundert fragte ich: „Wie sind Sie hierher gekommen?“ Er erwiderte: „O Ahmed, für uns gibt es keine Einschränkungen; wir können zu jeder Zeit überall sein.“

    In dem Buch Muslimischer Widerstand gegen den Zar: Shamil und die Eroberung Tschetscheniens und Daghestans schreibt Gammer über Sheikh Khas Muhammed:
    Der Samen von Sheikh Ismail fand in dem Land von Daghestan fruchtbaren Boden und fing an mit einem seiner Schüler, Sheikh Muhammed ash-Shirwani, aufzublühen. Dann kamen auch sein Nachfolger, Sheikh Muhammed al-Yaraghi, und dessen Erbe hervor, Jamaluddin al-Ghazi Ghumuqi.

    Benningsen und Wimbush beschreiben den Einfluss von Sheikh Ismail ash-Shirwani und seiner Kalifen in Daghestan wie folgt:
    Der Naqshbandi Orden spielte eine entscheidende Rolle in der kaukasischen Geschichte. Stählerne Disziplin, völlige Hingabe und die strenge Hierarchie, auf der sie gründete, erklären den unglaublichen Widerstand der Bergbewohner gegen die Russen – ein Widerstand der von 1824 bis 1855 anhielt und in dem nicht nur die führenden Persönlichkeiten der Bewegung, sondern auch Ortsvorsteher (naibs) und der Großteil der Widerstandskämpfer Naqshbandis waren. Es kann festgehalten werden, dass der fünfzig-jährige kaukasische Krieg einen großen Beitrag zum materiellen und moralischen Verfall des zaristischen Reiches beitrug und das Ende der russischen Monarchie beschleunigte.

    Die Brüderschaft erreichte ein weiteres bedeutsames Ziel: sie verwandelte die heidnischen Bergbewohner zu gläubigen orthodoxen Muslimen und brachte den Islam in die animistischen Gebiete des oberen Tschetscheniens und unter den kirgisischen Stämme des westlichen Kaukasus ...

    Die folgende Massenwanderung der kaukasischen Muslime in die Türkei beendete jedoch nicht den Naqshbandiyya-Orden in Daghestan und Tschetschenien; seine Wurzeln reichten dafür schon zu weit und zu tief in die Erde.

    Sheikh Khas Muhammed starb am 3en des Ramadan, einem Sonntag im Jahre 1260 n.H. /1844 n.Chr. während der Rückreise von seiner Pilgerfahrt nach Daghestan. Er wurde in Damaskus begraben. Gemäß des letzten Willens seines Sheikhs, Ismail ash-Shirwani, sollte nun Sheikh Muhammed Effendi al-Yaraghi das Erbe antreten.

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