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Das geheimnisvolle Treffen der Göttlichen Namen

Alles in der Existenz wird durch seinen Namen erkannt. Bei etwas Namenlosen kann keine Rede von Existenz sein. Etwas Namenloses bezeichnet etwas Unbekanntes. Wie willst du denn über etwas Unbekanntes reden, es rufen oder ernst nehmen. Es kann nicht sein!

 

Wenn wir nun aber sagen, etwas sei in der Existenz, nur sein Name nicht, wäre das möglich? Das wäre unmöglich! Denn etwas Namenloses kann es nicht geben. Der Name ist die Identität. Und ohne Identität wird nichts und niemandem der Zugang in die Existenz gewährt.

 

Deshalb können wir auch nicht sagen, dass es einen Namen gibt, das damit Bezeichnete aber nicht. Warum nicht? Es gibt nichts, das einen Namen hat und gleichzeitig nicht existiert. Wenn es den Namen gibt, so muss es auch unbedingt existieren.

 

»Aber wir können es nicht sehen ... ?«
»Na und?!«

 

Wenn du blind bist, was kann derjenige, dem der Namen gehört, dafür. Dies macht seine Existenz nicht zunichte und löst sie nicht auf. Es beweist nur deine Blindheit. Wisse, dass alles, das einen Namen hat, existiert und alles, das keinen Namen hat, nicht existiert. Wenn du das verstanden hast, bedeutet das, dass du die ganze Wahrheit verstanden hast. Wenn du das nicht verstehst, so ist alles, das wir dir noch erzählten, vergebens.

 

Wenn du jemandem seinen Namen wegnimmst, so verschwindet gleichzeitig auch seine Existenz, obwohl er gerade noch da war. Niemand wird ihn mehr ernst nehmen, weil er keinen Namen mehr hat. Wer keinen Namen hat, den gibt es auch nicht. Ist es denn nicht so! Selbst der Müll hat seinen Namen, da auf der Müllhalde, auf der er existiert. Hätte er keinen Namen, würde man ihn dort nicht abladen.

 

Wenn wir auf das Universum schauen, so nennen wir es »die Schöpfung«. Was geschieht, wenn wir ihr nicht diesen Namen geben? Dann verschwindet die Schöpfung.

 

»Vorhin war sie aber doch noch da!«
»Ja, vorhin war sie noch da, da trug sie auch noch ihren Namen. Jetzt ist sie nicht mehr da, weil sie ihren Namen nicht mehr trägt.«
»Was war sie vorhin?«
»Die Schöpfung?«
»Und jetzt?«
»Jetzt ist sie nicht mehr die Schöpfung. ES IST VORBEI!«

 

O ihr Menschen! In dieser Schöpfung existiert alles durch die Namen. Sie besteht aus den Namen. Jeder Name für sich ist eine Welt und durch das Zusammentreffen der Namen manifestiert sich dieses riesige Universum. Man spricht von einer Synthese. Durch die Synthese der Namen tritt eine Existenz in Erscheinung. Darin liegt das Geheimnis.

 

Wenn nun alles aus Namen besteht, was ist dann die Materie? Die Materie ist die Widerspiegelung der Form, des Bildes, der Farbe und des Lichtes dieser Namen! Sie ist nichts anderes. Gäbe es kein Licht, gäbe es die Farbe nicht und gäbe es keine Form, gäbe es die Materie nicht.

 

Wie kommen diese Namen zusammen? Dies ist die klügste Frage. Denn wer das Geheimnis der Existenz lösen will, muss in das geheimnisvolle Treffen dieser Namen eintreten und ihnen zuhören. Es gibt keinen anderen Weg!

 

Kommt und lasst es uns im Stile einer Märchengeschichte erzählen, um es einfacher und verständlicher zu machen. Den Menschen gefallen ernste Worte nicht, aber sie schwärmen für Märchen. Lasst uns heute ein Märchen erzählen, ein Märchen, das bisher weder ein Ohr vernommen, noch ein Mensch je erzählt hat. Und wer weiß, vielleicht schaut ihr am Ende und seht die Wahrheit darin.

 

»Ach, und wir dachten es sei ein Märchen - wie schön er uns doch die Wahrheit aufgebunden hat«, sagt ihr dann.

 

Lauschen wir nun unserer Geschichte:
Es war einmal vor langer Zeit in einer unsichtbaren und verborgenen Welt, jenseits von Raum und Zeit. In ihr existierte Einer und sonst keiner. Als es weder die Zeit noch den Raum gab, gab es weder Farben noch Bilder, die eine Existenz in Erscheinung bringen konnten. In dieser verborgenen Welt, gab es das „Reich der Göttlichen Geheimnisse“.

 

Dieses „Reich der Göttlichen Geheimnisse“ war weit entfernt von Erkenntnis, Augen, Ohren, Farben und Bildern. An der Spitze dieses Landes stand ein großer Sultan, der mit seiner Macht und Pracht in keine Existenz passte außer in Seine eigene, der weder hierhin noch dorthin passte, und bei dem es aus diesem Grund weder ein `hier` noch ein `dort` gab und sich alle Richtungen und Wege in Seinem Dasein auflösten.

 

Lasst uns nun eine Klammer öffnen und euch das „weder hierhin noch dorthin passte“ mittels eines Beispiels erläutern: Zum Beispiel hat der Mensch in der riesengroßen Schöpfung nichts seinesgleichen. Er ist zwar sehr klein, aber wenn du versuchst, ihn auch nur ein wenig einzuengen, so passt der Mensch nicht mehr so leicht irgendwo hinein. Was ist wohl die Weisheit dahinter?

 

Der Mensch passt mit seinem winzigen Körper nirgendwo hinein. So groß ist er. Der Mensch fühlt sich sehr schnell von allen Orten und Sachen gelangweilt, denn jeder Ort und jede Sache beengt den Menschen und vermittelt ihm ein Gefühl der Bedrängnis. Er kann nicht lange an ein und demselben Ort bleiben, er will raus, spazieren gehen und das Umfeld wechseln. Die Weisheit dahinter ist, dass er eigentlich nirgendwo hinein passt.

 

Was man als Beengtheit oder Bedrängnis bezeichnet kommt daher. Streitigkeiten und Kriege über Grenzen hinweg sind auch darauf zurückzuführen.

 

Wohin passt nun aber der Mensch? So wie in unserer Geschichte von der mächtigen Sultan, passt jeder Mensch lediglich in sein eigenes Land.

 

Wenn wir vom »eigenen Land« sprechen, so meinen wir nicht die Erde auf der wir leben. Nein! Die wahre Heimat des Menschen ist sein eigenes Selbst. Nur in diesem Land kann er herrschen. Nur dort gilt das Wort des Menschen uneingeschränkt und er herrscht bedingungslos - in seinem eigenen Selbst. Wenn wir von der Willenskraft reden, meinen wir die Selbstbeherrschung.

 

Heutzutage sind viele Menschen bzw. Sultane unfähig, ihrem Wort im eigenen Land Geltung zu verschaffen. Ihre Herrschaft wurde abgeschafft und aufgelöst. Sie wurden der Selbstbeherrschung beraubt und sind machtlos.

 

Die Selbstbeherrschung soll die Psyche der Menschen auf kommende Ereignisse in seinem Lebens entsprechend vorbereiten.

 

Anders und vielleicht klarer formuliert: Etwas akzeptieren zu können, macht den Menschen glücklich, etwas nicht akzeptieren zu können, macht ihn unglücklich. Glück bzw. Unglück, sind die Folge von Akzeptanz bzw. Widerwillen gegen Akzeptanz. Wem es gelingt seine Spiritualität, seinen Geist oder seine Psyche darauf vorzubereiten, die Ereignisse, die auf ihn zukommen, so zu akzeptieren, wie sie kommen, ohne sie ändern zu wollen, wird niemals unglücklich sein. Er beherrscht dann sein Selbst und sein Ego und er wird Sultan seines Landes, passt hinein und fühlt sich weder beengt noch bedrängt.

 

Wann überfällt dich das Gefühl der Beengtheit? Wenn es dir nicht gelingt, in deinem Land zu herrschen. Dann überfallen dich die dunklen Mächte, reißen die Herrschaft an sich und unterdrücken dich in deinem Land. Und am Ende landest du im Kerker, aus dem Du nur sehr schwer wieder rauskommst.

 

Das Unglück der Menschen ist darauf zurückzuführen, dass Ereignisse anders geschehen und Mitmenschen anders sind, als man es gerne hätte.

 

Der Mensch hat in sich die Eigenschaft, niemand anderen als sich selbst zu akzeptieren. Als der Herr der Welten dem Pharao ein wenig Macht gegeben hatte, erklärte der sich sofort zum Gott und akzeptierte keine andere Macht als seine eigene.

 

Nein! Kein machtvoller Sultan, duldet einen anderen Herrscher neben sich. Auch der Mensch verhält sich so. Geschieht oder verhält sich etwas oder jemand entgegen seinem Wunsch und Belieben, kennt er weder Gnade noch Geduld.

 

Wie kann man dann den Mitmenschen akzeptieren? Dafür gibt nur eine Bedingung und die kann vielleicht nicht jeder erfüllen: Man muss sich seiner Selbst entledigen! Es gibt keinen anderen Weg. Die Wahrheit ist folgende: sein Gegenüber zu akzeptieren, bedeutet, sein eigenes Dasein aufzugeben. Dies ist eine echte Heldentat und bedarf eines mutigen Herzens. Denn hat man sein eigenes Dasein aufgegeben, dann existiert nur noch das Dasein deines Nächsten, und man selbst ist völlig entworden.

 

Und wer findet denn Gefallen an so etwas? Wem das gefällt, ist ein Freund Gottes! In der Existenz gibt es solche so gut wie gar nicht, denn wie wir schon sagten, haben sie ja kein Dasein mehr. Sie existieren nur noch durch das Dasein jener in der Existenz der einzigen Existenz.

 

Kehren wir nun zu unserem Märchen zurück: Kurzum, auch dieser Sultan war solch ein erhabener Sultan, der angesichts seiner Erhabenheit und der Endlosigkeit Seines Wesens, innerhalb Seiner Existenz keine Grenzen und ausserhalb keinen anderen Sultan duldete. So ein prächtig Sultan war Er!

 

Es gab nur Ihn und keinen anderen! Es gab nur Sein Reich und kein anderes! Ein Einziger in der Existenz und Seine Existenz die einzige! Ein einziger Sultan – ein einziger Herrscher! Eine einzige Herrschaft und ein einziger Wille!

 

Dieser prächtige Sultan besaß unzählige, ihm ergebene Künste, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Und sie alle bezeugten Seine endlose Majestät und Erhabenheit, Pracht und Größe. Sie waren die unsichtbaren Kräfte, die Ihm inne wohnten. Jede dieser Fähigkeiten des Sultans hatte einen ihr eigenen Namen und der bezeichnete eine ihr eigene Eigenschaft, wie zum Beispiel: »el-Alim«, »el-Kadir«, »el-Musavvir«, »el-Muktedir«, »el-Basir« und so weiter. An ihrer Spitze stand »el-Rahman«. Und der Sultan selbst, der Größte aller Größten, wurde »Allah« genannt.

 

So wie jeder Mensch einen ihm eigenen Namen hat, so hat er gemäß seinen Fähig-keiten und seinem Können auch einen Titel, zum Beispiel: Doktor, Professor, Ingenieur, Maler, Wissenschaftler, Schmied, Klempner, Juwelier ...

 

Auch dieser Sultan hatte einen Seinem Wesen, den weder der Verstand fasst oder das Auge sehen noch das Ohr hören kann, eigenen Namen und dieser lautete »Allah«. Die anderen Namen waren Eigenschaften Seiner Kräfte, die Seine Fähigkeit, Sein Können und Seine Fertigkeiten beschrieben.

 

Man sagt ja auch zu jemandem, der viele Fertigkeit hat: Er ist sowohl ein Doktor als auch ein Maler. Außerdem ist er ein Ingenieur und auch noch ein Schriftsteller. Er ist das eine als auch das andere und das ist er auch noch. Alles ist er, es gibt weder eine Verschiedenheit noch eine Gleichheit. Denn der Doktor und der Ingenieur sind ja keine verschiedenen Personen, wenn eine Person lediglich mehrere Tätigkeiten ausübt. Nein! Beides sind Fertigkeiten und Manifestationen verschiedener Tätigkeiten der gleichen Person. Eigenschaften, die durch unterschiedliche Handlungen zum Ausdruck kommen. Es handelt sich aber nicht um verschiedene Personen. Wenn er als Doktor behandelt, dann ist er der Doktor und wenn er als Maler arbeitet, dann ist er der Maler. Aber beides ist er. Verstehe das richtig!

 

Und dieser Sultan hatte seit der Vorewigkeit einen Wunsch und der Name dieses Wunsches war »el-Mürid«.

 

Eines Tages hielt es el-Mürid nicht mehr aus und wollte zur Sprache kommen. Also ging Er zu einem der verborgenen Kräfte namens »el-Kelam« mit der Absicht, Seinen Wunsch in der Gegenwart des Sultans zur Sprache zu bringen. El-Kelam war der Name der Kraft des Sprechens des erhabenen Sultans.

 

El-Kelam sagte zu el-Mürid: »Ya Mürid, dein Wunsch kann sich nicht ohne »el-Vedud« erfüllen. El-Vedud ist die unsterbliche Liebe des Sultans. Ohne die wahre Liebe kann sich kein Wunsch verwirklichen. Komm, lass uns gemeinsam zu der Liebe el-Vedud gehen und ihm von unserem Wunsch berichten.«

 

Also gingen el-Mürid und el-Kelam zur Göttlichen Liebe und el-Mürid sprach mittels el-Kelam: »Ya Vedud, lass uns einander die Hand reichen und gemeinsam in Erscheinung treten. Möge die Göttliche Liebe und der Göttliche Wunsch sich manifestieren, so dass ein Werk erscheint und dieses Werk die Göttliche Liebe und den Göttlichen Wunsch bezeugt, also Zeuge, »el-Schehid« wird.«

 

Durch diesen feurigen Wunsch »el-Mürids« entbrannte die Liebe mit dem Namen »el-Vedud« in Göttlicher Ekstase und sie fing an sich »ya Hu, ya Hu« sagend zu drehen. So wie sich die Elektronen um den Atomkern drehen. Die Elektronen, die das Atom hervorbringen, drehen sich ja ebenfalls und das mit einer unberechenbaren Geschwindigkeit, so dass sie bei ihrer Umdrehung die Materie erzeugen.

 

Diese Umdrehung der Elektronen, stellt den in Liebe entbrannten Sultan dar, der sich in Ekstase dreht. Zu jenem Zeitpunkt ist die Liebe durch den Einfluss des Göttlichen Wunsches entworden und es gibt nunmehr nur noch das Wesen des Sultans, des Größten aller Größten, des Erhabensten aller Erhabensten. Es gibt niemand anderes. Verstehe richtig!

 

Wenn die Liebe in Ekstase entbrannt ist, hört sie dann noch auf irgendetwas? Nein, sie setzt sich über alles hinweg. Vor Liebe übergeflossen, konnte el-Vedud dem Druck el-Mürids nicht mehr standhalten und eilte erfüllt von unendlicher Liebe, in die ehrenvolle Gegenwart des Sultans, drehte sich immerzu »Ya Hu« sagend, und sprach mittels el-Kelam:

 

»O Du, der Du durch Dich selbst ewig und beständig bist! Der Du mit all deinen Kräften im Verborgenen bist! O Du erhabener Sultan! Wie lange willst Du Dich noch verbergen?
Ich bin die Liebe, die in Dir ist, und stets verborgen.
Ich bin die Liebe, die jeden Moment bereit ist, zu explodieren.
Ich bin die Liebe, die sich nicht verstecken und im Verborgenen bleiben kann. Zu meinem Charakter gehört es, mich zu manifestieren und in Erscheinung zu treten.
Ich möchte gekannt und gewusst werden, lieben und geliebt werden. O Du erhabener Sultan! Ich bin eine Deiner Kräfte, immer war ich mit Dir und immer bin ich mit Dir. Mich erkennt man durch Dich und Dich erkennt man durch mich.

 

Lasse mich frei und bringe mich zum Vorschein. Auf dass sie, wenn sie Dich anrufen mich, und wenn sie mich anrufen Dich in Erscheinung sehen. Und zweifelsohne existiere ich nur aus einem Grund und zwar, um zu lieben und geliebt zu werden.

 

O Du erhabener Sultan! Ohne Zweifel bin ich lediglich ein Dir ergebener Diener. Aber so wie der Sultan ein Recht über Seine Diener hat, so hat der Diener auch ein Recht über seinen Sultan. Gebe mir dieses mein Recht, o Du prächtiger Sultan! Bringe mich zum Vorschein. Ich möchte zur Tat schreiten können. Denn die Liebe gibt es nur, um erkannt zu werden.«

 

So kam die Liebe zur Sprache und öffnete ihr sehnsuchtvolles und mutiges Herz. Angesichts dieser Sehnsucht und dem Recht der Liebe, erbarmte sich der Sultan, den in Seiner Macht, seiner Erhabenheit und Würde nichts zu fassen vermag, schließlich ihrer mit Seinen Eigenschaften des »el-Hak« (Wahrheit), des »el-Adil« (Gerechtigkeit) und letztlich des »el-Rahman« (Barmherzigkeit) und verkündete:

 

»O Liebe, in der Existenz bin Ich zweifelsohne der einzige Sultan, der alle Kräfte Seinem Göttlichen Willen unterwerfen kann.

 

Und durch Meine Eigenschaft des »el-Alim« (der Allwissende) ist Mir schon seit aller Ewigkeit bekannt, dass du eines Tages mit diesem Wunsch und Antrag zu Mir kommen wirst.

 

Und du bist vollkommen im Recht. Daher werde Ich dir gewähren, was dir zusteht. Jedoch musst du dich ein wenig gedulden. Denn Ich werde zunächst einen Plan entwerfen, wie Ich dich in Erscheinung bringen, dich bekannt machen und dich lieben lassen soll. Für diesen Zeitraum gebe ich dir Meine Eigenschaft des »el-Sabur« (Geduld) zur Seite, auf dass du geduldig sein kannst.«

 

Eigentlich hat die Geduld ja gar nichts bei der Liebe zu suchen und sicherlich hatte die Liebe keine Geduld. Aber der große Sultan, der die Liebe machtvoll in Seiner Hand hält, hatte viel Geduld. Daher musste die Liebe bzw. el-Vedud, ob sie wollte oder nicht, mit el-Sabur Freundschaft schließen und abwarten bis sich der Plan des Sultans sich verwirklichte. So manifestierten sich zum ersten mal Gegensätze in der Einheit. Die Zwangsfreundschaft der Geduld und der Liebe diente den anderen Gegensätzen als bestes Beispiel. Jeder Wunsch ist seitdem an die Geduld gebunden. Ohne Geduld kann sich nichts verwirklichen. Und was die Liebe anbelangt, vielleicht bedarf sie der größten Geduld.

 

Öffnen wir nun eine neue Klammer und fragen wir: Ist das bei den Menschen nicht auch so? Wenn jemand verliebt ist, hält der sich dann noch an irgendwelche Vorschriften? Ist die Liebe in das Herz eingetreten, so bleibt der Verstand stehen.

 

Die Wirklichkeit der Liebe gleicht dem Wein und sie reift und erlangt Süße nur durch Warten und Geduld. Eigentlich will die Liebe immer alles sofort haben, aber sie kann nicht eilig entstehen. Denn schnelle Liebe gleicht einem geschmacklosen, unverdaulichen Essen. Die Geduld ist das Gewürz jeder Speise und ist am Anfang vielleicht ein wenig scharf. Aber gibst du sie zu dem Essen, so verleiht sie ihm den Geschmack.

 

O ihr Menschen! Wisset, dass nur die Liebe, die bereit ist zu warten, erhabene, Göttliche Liebe ist. Denn wahre Liebe ist jene, die geduldig ist und dabei reift, die immer schöner wird und sich so immer mehr offenbart. Wie ein junges Mädchen. Auch sie müssen erst einmal warten, bis sie heranwachsen und anmutig werden. Die Mutter sagt dann folgendes zu den Anwärtern der Tochter: »Wartet. Lasst mein Mädchen erst einmal heranwachsen. Drängt nicht.«

 

Kehren wir nun zur Geschichte zurück:
Als die Göttliche Liebe und der Göttliche Wunsch zur Sprache gekommen waren und voller Sehnsucht ihr Herz ausgeschüttet hatten, da schritt der erhabene Sultan mit all Seiner Barmherzigkeit und Gnade zur Tat und versammelte alle Göttlichen Namen, die Seine Kräfte bezeichneten, unter der Führung des »el-Rahman« (Barmherzigkeit) und bildete einen Göttlichen Kreis.

 

In dem Heiligen Koran, in der Sure Furkan, im Vers 59 wird offenbart: »Allah erschuf die Himmel und die Erde und alles das zwischen beiden ist, in sechs Tage und gründete daraufhin sich und sein Reich mit seinem Namen el-Rahman auf dem Thron. Frage dies jenen, der davon Kenntnis hat!«

 

»El-Alim«, also derjenige, der von allem Kenntnis hat, kam durch »el-Kelam« zur Sprache und sagte zu »el-Musavvir«, dem Göttlichen Designer: »Gestalte mir bitte gemäß meines Wissens das und das«. Und zu »el-Kalem«, der Göttlichen Schreibkraft, sagte er: »Schreib für jene folgendes - möge es ihr Lebens- und ihr Schicksalsroman werden.«

 

Und noch viel mehr als das, mehr als in einem Leben erzählt werden könnte, geschah bei diesem Treffen der Namen. Für all das wäre ein irdische Leben zu kurz und es würde eines weiteren bedürfen. Daher fassen wir uns kurz, für Verständige reicht das auch schon aus.

 

Und so kommen wir zum Ende der Geschichte: All das, was noch bei diesem geheimnisvollen Treffen der Göttlichen Namen geschehen ist und gesagt wurde, weiß nur Allah allein. Am Ende dieses Treffens berief der erhabene Sultan acht große Namen zu Großwesiren:

 

»el-Alim« – der Wissende,
»el-Kadir» – dessen Macht zu allem ausreicht,
»el-Hayy« – der allem Leben gibt,
»el-Basir« – der alles sieht,
»el-Semi« – der alles hört,
»el-Mürid« – dem der Wunsch und der Wille gehört,
»el-Kelam« – der Sprechende,
»el-Tekvin« - dem die Kraft, alles zu erschaffen, inne wohnt.

 

Diesen acht Hauptkräften aller möglichen Existenzen befahl der Sultan schließlich: „Sei!“ So erschuf Allah, nachdem Er durch el-Vedud und el-Mürid in Liebe es sich gewünscht und sich durch el-Rahman erbarmt hatte, die Existenz.

 

O ihr Menschen! Unsere Geschichte über das geheimnisvolle Treffen der Göttlichen Namen hört hier nicht auf, aber so viel reicht für den Moment. Das ist so eine Geschichte, die man bis in alle Ewigkeit weitererzählen kann. Es könnten nochmals so viele Menschen wie schon gingen kommen, diese Geschichte wird niemals zu Ende gehen.

 

Wisse, dass der Mensch seinem Schöpfer, also dem Wesen, das ihn erschaffen hat, ähnlich ist.

 

Die Ähnlichkeit hat ihren Ursprung in diesen Göttlichen Namen. Denn der Mensch wurde mit so einer großen Ehre und so unvorstellbaren Kräften ausgestattet, wie sie keinem anderen Geschöpf zuteil geworden sind. Diese wertvolle Gabe sind eben diese Göttliche Namen und ihre Eigenschaften. Durch diese Göttlichen Namen und Eigenschaften kommen im Menschen schöpferische Fähigkeiten hervor, auch wenn sie nur künstlicher und nicht lebendiger Natur sind, wie man es an den Innovationen und Erfindungen erkennen kann.

 

Diese schöpferischen Kräfte gehören eigentlich nicht dem Menschen, eher wurden sie dem Menschen seitens Allah verliehen oder anvertraut. Welch ein Glück für den, der sie richtig und nach dem göttlichen Willen einsetzt!

 

Im Grunde, gleicht der Mensch, also seine unsichtbare Wahrheit, einem Maler. Sein Körper, seine Organe und seine technischen Hilfsmittel stellen dann den Pinsel in der Hand des Malers dar! Durch diesen Pinsel manifestiert und bringt der Maler seine Fähigkeit und Fertigkeiten zum Vorschein. So wie sich jener Sultan, der Größte aller Größten, zum Vorschein bringt. Um diese Wahrheit zu sehen, musst du durch Ihn auf Ihn schauen. Anders kannst du es nicht sehen.

 

Sei wie das Elektron! Drehe dich wie das Elektron voll Liebe um das Wesen und die Kraft, die alles in Erscheinung bringt. Drehe dich, auf dass sich in der Materie seine Existenz manifestiert! Wisse, dass du dich, in Seiner Liebe entbrannt, wie verrückt um sein Wesen drehen musst, wenn du durch Ihn auf Ihn sehen willst.

 

Denn was man als Materie bezeichnet ist lediglich das Spiegelbild der wahren Existenz und sie manifestiert sich nur durch die Drehung der Göttlicher Liebe um jenen einen Existenten. Anders kommt sie nicht hervor und kann auch nicht gesehen werden.

 

Wie viel sollen wir noch erzählen? Dies reicht!