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Sufismus

„Ich war ein verborgener Schatz und wollte gefunden, gelobt und geliebt werden.“

 

 

„Ich war ein verborgener Schatz und wollte gefunden, gelobt und geliebt werden“, sagt Allah Der Schöpfer nach einer Überlieferung durch den Propheten Muhammed (s.a.v.). Der Sufismus führt, anhand der Rolle des Menschen in der Schöpfung, in die Weisheit des Islam ein und hebt somit seine Liebes- und Friedensbotschaft hervor. 

 

 

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Sufismus und Islam - Radio 1 Interview

von Stefanie Oswalt
Sheikh Eşref Efendi | Berlin  09.07.2011

 

Frage:

Sufis und Islam gehören zusammen. Ist das richtig?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Muslim bedeutet ein Gottergebener Diener zu sein. Wie muss ein Diener sein oder seiner Dienerschaft nachgehen? Diszipliniert und liebevoll. Er muss seine Arbeit ernst nehmen und lieben, damit er Erfolg hat.

 

Sharia ist ein arabisches Wort für das Grundgesetz. Jedes Gesetz spricht für Disziplin. Disziplin ist Sharia und Tariqa/Sufismus ist Liebe. Beides muss sein wie Körper und Seele.

 

Jedes Gesetz ist schwer im Nehmen. Die Toleranz und Liebe ist jedoch leicht. Sharia ist schwer, Sufismus ist leicht. Jedoch nur beides zusammen, bringt eine perfekte Lebensweise hervor. Wenn das eine oder andere fehlt, so ist alles mangelhaft und nichts funktioniert richtig.

Die Menschen müssen wissen, nur mit Disziplin allein wird kein Kind richtig erzogen.

Die Erziehung des Kindes muss immer mit Liebe gewürzt werden, sonst leidet die Psyche darunter. Nur mit Liebe aber auch. In einer Erziehung muss beides sein:

Disziplin und Liebe!

 

Frage:

Wo liegen die Unterschiede zum (konservativen) Islam? Gibt es unterschiedliche Auffassung des Koran?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Islam ist Islam! die Gruppierungen unterscheiden sich im richtigen Verstehen der heiligen Worte und in ihre Methoden. Leider wird Islam von den meisten Muslimen und Europäern falsch verstanden und inkompetent interpretiert,

 

Frage:

Wie unterscheiden sich die Riten? Was sind Dhikr und Sohbet?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Dhikr ist die Quelle der Kraft für den Gläubigen. Allah der Herr sagt: „Ich bin mit meinem Diener, solange er Meiner gedenkt.“ Im Dhikir rezitieren und verinnerlichen wir die heiligen Namen Allahs.

Im Sohbet lernen wir die Eigenschaften dieser Namen und Allah besser kennen und wir interpretieren die heiligen Offenbarungen Allahs in zeitentsprechenden Bildern und Gleichnissen, damit wir alles im Leben richtig deuten und verstehen können.

 

Frage:

Sufismus wird in unterschiedlichen Orden/Bruderschaften praktiziert. Welche Ausprägung verfolgt Sheikh Eşref Efendi und die Berliner/ deutschen Sufis?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Allah sagt im heiligen Koran: „O Meine Gesandten! Sprecht zu den Leuten in einer Sprache, die sie auch verstehen.“

Die Europäer und insbesondere die Deutschen sind Theaterliebhaber.

Sie lieben Theater und sie verstehen die Theatersprache am Besten. Wir geben die Wahrheit und Realität der Existenz deshalb in einer theatralischen Art und Weise rüber. Wir spielen also ein ernstes Spiel aus spirituellen Gesängen und Lehren. Das kommt gut an.

Sie ehren uns dann wie.... Till Eulenspiegel?

 

Frage:

Welche Unterschiede gibt es zu anderen Richtungen des Sufismus?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Es gibt 40 wahre Tariqa, Sufi-Orden, die sich vielleicht in ihren Methoden aber niemals in den Richtlinien des Islam unterscheiden. Der Naqshibandi- Rabbani Orden ist der älteste, größte und der einzige, den der heilige Prophet Muhammed Friede auf Ihm, im Auftrag Allahs selbst gegründet hat.

 

Frage:

Gibt es Zahlen über die Sufis? Weltweit? In Deutschland? Wie hat sich der Glaube in Deutschland/ Berlin entwickelt? Wer wird hier Sufi? Warum ist Sufismus auch für Menschen westlicher Prägung interessant? Wie ist das Leitmotto: »Respekt säen - Liebe ernten« zu verstehen?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Nach unserem Wissen ist der Naqshibandi-Rabbani Orden der größte und weltweit verbreiteteste Sufi-Orden, auch in Deutschland am weitesten bekannt.

 

Die Menschen und insbesondere die Europäer kommen zum Sufismus, weil sie genug von Materialismus und Egoismus haben und nach wahrem Seelenfrieden suchen und, weil sie sich nach Liebe und dem wahren Geliebten sehnen.

 

Sufismus ist der Pfad der Liebe, der aufrichtigen Nächstenliebe. Denn nur was aufrichtig ist, ist von Beständigkeit. Aufrichtigkeit und Beständigkeit in der Liebe ist das, was viele Menschen suchen, woanders aber nicht finden können.

 

Deshalb sagen wir: Respekt säen, Liebe ernten. Weil Liebe nichts mit verstehen zu tun hat. Wir haben am Anfang gesagt, Menschen verfolgen und verleugnen das, was sie nicht verstehen können. Wenn sie sie wenigstens respektieren würden, könnten sie, wenn auch kein Verständnis, Liebe ernten. Deswegen Respekt säen – Liebe ernten.

 

Frage:

Ich wäre auch dankbar für ein paar Worte zur Biographie von Sheikh Eşref Effendi.

Was bedeutet es, im Westen orientalische Spiritualität zu leben und zu lehren? Ist er gezielt nach Berlin gekommen oder entsendet worden?

 

Sheikh Eşref Efendi:

Wir wurden im Jahre 1992 von unserem Großmeister Sheikh Muhammed Nazım el Haqqani el Rabbani dazu beauftragt Menschen in allen Kulturschichten und Nationalitäten anzusprechen und ihnen spirituell beizustehen. Europa und Deutschland haben dabei die Priorität gehabt. Natürlich ist es für uns eine Ehre und ein Genuss den Europäern köstliches aus der himmlischen Küche Orients anzubieten. Wir sind geehrt.